VANNOMADEN: Portugal und die Sehnsucht nach dem Meer

Portugal und seine gute Laune will man nach so einer Reise ebenso mitnehmen, wie die bunten Kacheln an den Häuserwänden.

Was uns eigentlich in dieses wunderschöne Land führt ist ein Punkt auf der Bucketlist:

„Surfen in Portugal“ steht da.

Und da wir quasi noch nie einen Surfkurs gemacht haben, gönnen wir uns mal eine Woche Bjørnpause und steigen in einer Surflodge ab. Tatsächlich das erste Mal in einem Jahr Vannomadentum, dass wir uns irgendwo ein Zimmer mieten.

DROP IN.

Wir tauchen ein. Und zwar ins Drop In Surfcamp in Lourinha, das von einer einmaligen Berliner Familie gegründet wurde.

Sorry, aber bevor wir von irgendwas anderem erzählen, müssen wir kurz von dem Traum eines Gartens schwärmen: Dani und Mac haben eine Skatebowl, ein Volleyballfeld, ne Beachbar, eine Lagerfeuerstelle, eine Hängematten-Chillout-Zone, nen Kickertisch und ne Bluetooth Soundanlage in ihrem tropischen Garten!!! Eine Spielwiese für alle großen und kleinen Kinder.

Aber auch der Surfkurs ist genau das, wonach wir gesucht haben: Nach ner Woche intensiven, technisch versierten Kurs inklusive Videoananalyse fühlen wir uns bereit, selber loszuziehen.

Wir machen mit unserer Gruppe Surfausflüge ins benachbarte Peniche, Baleal und gucken sogar den Jungs von Fatum Surfboards beim Shapen über die Schulter.

BBQ, Campturnier, Schnaps mit Gold, Fischessen und Bronco muss wohl jeder Gast selber erleben.

Auf jeden Fall klare Empfehlung von uns.

WELLEN GRÖSSER ALS EIN HAUS

Vom Weißweisser zu den größten Wellen der Welt. Die sind nicht etwa an einer hawaiianischen oder kalifornischen Küste, sondern in Portugal, in Nazaré.

Besondere Bedingungen, wie ein unterirdischen Canyon, türmen die Wellen bis zu 30m auf.

Und ja – die wurden auch schon mal gesurft. Am 1. November 2011 hat der 44 Jahre alte hawaiianische Surfer Garrett McNamara das Undenkbare erreicht: Er surfte eine 23,77 m hohe Welle.

Die Boards, fantastische Bilder und die Erklärung, warum hier die Bedingungen für abnormal hohe Wellen sind, die sind alle im Gebäude des Leuchtturm ausgestellt.

Für unseren Tagesausflug parken wir für 2€ hier:  39.5967 , -9.0681

DER NORDEN. 

Wer uns kennt, hat schon mitgekriegt, dass wir meistens versuchen in der Off-Season zu reisen und wenn das nicht möglich ist, dann flüchten wir in die weniger touristischen Gebiete.

Beides bietet uns im Juli Nordportugal und um vorneweg zu spoilern: es übertrifft unsere Erwartungen!

Mit unseren aufgefrischten Surfkenntnissen ist unsere obere Priorität ziemlich nass & kalt, aber wir haben ja dicke Neoprenanzüge: wir jagen gute Wellen und möglichst leere Line-Ups.

VANLIFE AT ITS BEST

Den Auftakt unserer Nord-Tour bietet einen Nebenort von Figueira de Foz.

Kennt ihr diese Bilder, wo man durch die Hecktüren den Sonnenuntergang am Meer sieht. Hier wurden die gemacht. Direkt am Strand, an der Costa de Lavos, reihen wir uns zwischen einem Iren mit Gitarre und Hängematte und einer spanischen Familie mit Hunden ein. Das Publikum ist bunt, aber alle eint die Liebe zum Meer & zum Campen.

Findet es selber heraus: 40.0876 , -8.873

Der Platz ist kostenlos und bietet sogar eine Ver- und Entsorgestation.

Eigentlich wäre uns unser absoluter Lieblingsplatz geworden, wenn nicht dieses miserable Handynetz gewesen wäre. Und arbeiten müssen wir ja schließlich auch.

Wir ziehen weiter.

COSTA VERDE, die grüne Küste

Dass man in Portugal wunderschöne Strände und grüne Natur haben kann lernen wir an der Costa Verde kennen, die sich zwischen Minho und Douro erstreckt.

Wer abseits von Trubel, Stress und Massentourismus einen erholsamen Urlaub verbringen will, ist hier genau am richtigen Platz.

Hinter den Dünen breiten sich schattenspendende Pinienwälder aus und im Hinterland geht man durch terrassenförmig angelegte Weingärten, Obsthaine und Getreidefelder spazieren.

Maceda Beach ist ein naturbelassener Strand, umsäumt von wilden Pinienwälder, einsamer, nur am Wochenende treffen sich hier die Portugiesen zum Baden und Surfen, eingeschmiegt in ihre bunt flatternden Windschutzzäune.

Abends leert sich der Parkplatz am Strand und wer autark campt, kann hier einen schönen Sonnenuntergang erleben.

Dein Platz zum Sundown anschauen: 43,1936 , -9,0388

WINDMÜHLEN IN SANDDÜNEN

Durchs Bauchgefühl von dem einen Platz verscheucht landen wir eher aus Zufall an einem der nördlichsten Campingplätze: Orbitur Rio Alto in der Region Póvoa de Varzim. (41.4628,  -8.7731)

Wir legen erstmal einen Waschtag ein und nachdem wir durch den Beachtunnel (ja, sowas gibt es tatsächlich!) an eine Küstenlinie kommen, die sich wie unser Privatstrand anfühlt, legen wir direkt noch zwei weitere Nächte hier an. Wir sind die einzigen Surfer im Wasser und die Wellen sind gütig. Man darf sich das so vorstellen: wir paddeln raus aufs Meer und sehen, während man sanft von den Wellen durchgeschaukelt wird, einen weißen, fast menschenleeren Strand, wilde Dünen und ein paar alte Windmühlen. Ein großartiges Gefühl.

Mehr Windmühlen in weißen Sanddünen gibt es übrigens im direkt angrenzenden Parque Natural do Literal Norte, wären die Wellen nicht gut gewesen, hätten wir eine kleine Wanderung gemacht.

Nach ein paar Tagen Einsamkeit und einer schönen Routine aus eat, surf, work, sleep, repeat haben wir Lust auf ein bisschen Stadt.

VIANO DO CASTELO. 

Viana do Castelo. Eine altehrwürdige Hafenstadt, die ihren Platz am Rio Lima eingenommen hat. Mit einem neugierigen Blick in die Gassen und die prächtigen Häuser, die sie flankieren, spürt man nahezu den Handel von damals im Nacken. Die Anwohner lachen und rufen einem portugiesische Worte zu, ob man sie versteht, juckt sie wenig, aber Lachen ist ja universell verständlich.

Und am prächtigen Praça da Republica üben sie Folkloretänze für eines ihres unzähligen Feste. Kinder gucken mit großen Augen und Eistüten zu, während alte Männer einen Espresso trinken und mit dem Fuß mitwippen.

Viano do Castelo, unser Herz hast du im Sturm (und im Fahrradschweiß) erobert!

Für die Stadtbesichtigung parken wir hier: 41.689 , -8.831 und fahren abends weiter.

Jardim du monte se santa luzia 

Hoch über der Stadt thront die Basilika Santa Lucia, über eine Straße oder eine alte Zahnradbahn gut zu erreichen. Wir schnappen uns die Mountainbikes.

Für den schweißtreibenden Aufstieg wird man laut National Geographic mit dem drittschönsten Panorama der Welt belohnt.

Das Gebäude wurde nach dem Vorbild von Sacré-Cœur auf dem Montmartre in Paris im Jahre 1903 errichtet.

SURFMEKKA IM NORDEN. 

Unser Letzter und einer der schönsten (hach! wir werden einfach immer wieder überrascht) Stops.

Geparkt wird auf dem großen Strandparkplatz und gesurft auf dem endlosen Strand dahinter.

Wer hier gut Magicseaweed lesen kann, der ist stark im Vorteil, denn wir haben hier einen Strand, der nicht, wie viele andere in Portugal, ständig gute Bedingungen bietet.

Einen benachbarte Surfschule, ein kleines Strandcafe, das erhöht auf den Dünen liegt, und lokale Talente runden das Feeling ab. Wer sich selber nicht in Neopren hüllen mag, der kann auf den Holzstegen der Dünen einen atemberaubenden Blick genießen und stundenlang entweder den Surfern, der untergehenden Sonne oder den spanischen Bergen am Horizont zusehen.

Im Norden Portugals gibt es einige Strände mit blauer Flagge und man ist besonders an den naturbelassenen Stränden umso vorsichtiger: Deswegen in diesem Fall den Holzweg gehen und nie durch die Dünen trampeln. Das macht sie nämlich auf Dauer kaputt.

Und: im besten Falle noch mit mehr Müll den Strand verlassen, als man mitgebracht hat.

Zur Belohnung für alle Mülleinsammler gibts unseren Stellplatz, den wir auch über CamperContact gefunden haben:  41.7701 , -8.8706 

NÜTZLICHES FÜR PORTUGAL

Thema Dreckspatz: Einkaufen und Waschen? Geht in Portugal. In ausgewählten Intermarches gibt es Waschmaschinen, die Schilder am Parkplatz zeigen dies mit Hilfe von Icons an.

Oder guck hier (ja, das ist ein ungeheuerlicher Aufwand, keine Frage)
https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=11OdRR-r7nwjZtUJHwFBBmU3Vjeg&ll=39.58456517158916%2C-8.3202571956665&z=6

Thema Gas: Deutsche Gasflaschen können nicht befüllt werden, aber an bestimmten Tankstellen (Repsol- oder Cepsa) können Leihflaschen erworben werden. Am besten in Deutschland eine Flasche holen, die reicht eh gute 6 Wochen.

Thema Mäuse: Manche Bankomaten haben 6-stellige PINS und können unsere deutschen Karten nicht lesen, einfach Geduld haben und einen anderen Automaten aufsuchen oder auch im Supermarkt abheben.

Thema Winterspeck: Für allerhand Camping- oder Sportbedarf (oder günstige Surfboards) gibt es fast in jeder größeren Stadt einen Decathlon.

Thema Fahradträger: Unbedingt eine Warntafel anbringen, wer die misst, blecht über 100 €.

Thema Home is where you park it: Wir haben unsere Portugal-Stellplätze mit Hilfe von CamperContact und MagicSeaWeed, einer Surfer App, gefunden.

Bei unserem nächsten Portugal Roadtrip wollen wir uns ganz dem Süden widmen und seinen Zauber entdecken, aber fest steht, dass der Norden definitiv einen Platz in unseren Vannomaden-Herzen hat.

Und wer Nord gegen Süd tauschen will, der soll uns seine Südportugaltipps schicken!